Hautnah im Job – Neurodermitis im Berufsalltag

Shownotes

Neurodermitis begleitet Betroffene nicht nur im Privatleben – auch im Job kann die chronisch-entzündliche Hauterkrankung eine echte Herausforderung sein. Viele Betroffene berichten von Belastungen im Berufsalltag: von Schlafmangel, Konzentrationsproblemen, sichtbaren Ekzemen bis hin zu Stressfaktoren, die die Haut zusätzlich reizen. In dieser Folge spricht Moderatorin Alissa Stein gemeinsam mit dem Dermatologen Dr. Max Tischler und Sandra, die seit vielen Jahren mit Neurodermitis lebt, offen über Erfahrungen, Schwierigkeiten und Lösungswege. Sie teilen praktische Tipps für mehr Selbstfürsorge im Job, geben Einblicke in Strategien für stressige Phasen und sprechen darüber, wie ein selbstbestimmter Umgang mit der Erkrankung im Arbeitsumfeld gelingen kann.

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Sandra Hoffmann [7: Also das habe ich recht schnell gemerkt, weil man ja mit Kindern auch öfter mal sich die Hände waschen muss, man muss die Tische abwischen, man muss Kinder umziehen, duschen, Windeln wechseln, und dann kommt man halt oft mit anderen Stoffen in Berührung, ob es das Spürmittel ist oder teilweise auch das Desinfektionsmittel. Das Wasser natürlich ist auch nicht so gut für meine Haut. Es trocknet halt schnell aus. Ich muss dann halt natürlich eine Lösung finden. Das habe ich damals auch auf jeden Fall gemacht. Das mache ich heute immer noch: cremen, cremen, cremen. Das hilft mir sehr. Es gibt auch Handschuhe, das haben wir auf der Arbeit auch, aber die vertrage ich leider nicht. Die kann ich deswegen halt auch nicht nehmen, aber es ist halt immer der tägliche Ablauf mit gewissen Materialien, wo ich lieber gerne drauf verzichten würde, es aber einfach beruflich nicht kann. Alissa Stein: [7:55:8:04] Ja, verstehe. Max, hast Du da Ergänzungen an Erfahrungen aus Deiner Praxis? Welche Einschränkungen berichten da die Patientinnen und Patienten? Dr. Max Tischler: [8:05:9:24] Also ich kann mich zum Beispiel ganz gut an einen Patienten erinnern, der war Bankberater von Beruf und der hat mir erzählt, wie unangenehm es für ihn ist, dass man das an den Händen und an den Fingern halt sieht, dass er da auch angesprochen wird, beziehungsweise fast schlimmer berichtete er, dass es eben ja gar nicht das Ansprechen war, sondern die Blicke, die Kunden auf ihn geworfen haben, weil natürlich der Blick dann immer zuerst auf die Hände und dann ins Gesicht ging. Und das ist wirklich was, was natürlich häufig vorkommt. Im Gesicht kann ich mir das genauso vorstellen. Aber ich erlebe natürlich auch viele Patienten, die in hautbelastenden Berufen sächlich tätig sind, die dann berichten, dass sie gar nicht vernünftig arbeiten können, weil eben die Hände doch so wehtun, wenn ich immer mit Feuchtigkeit, wie auch gerade Sandra sagte, mit Wasser in Kontakt komme oder Reinigungsmitteln in Kontakt komme, aber auch zum Beispiel Kühlschmierstoffen in Kontakt komme, das hat natürlich ganz klar Einfluss auf den Job, führt zu Arbeitsunfähigkeiten möglicherweise, die häufig ja gar nicht beim Hautarzt laufen, sondern häufig über den Hausarzt laufen, und deswegen kann ich nur nochmal den Appell rausbringen: Sprecht das an, sagt das Euren Hautärzten auch, wenn Ihr Euch vom Hausarzt schon öfter krankschreiben lassen habt, denn das ist für uns als Hautärzte ganz wichtig, dass wir da so eine Gesamtbeurteilung irgendwo kriegen und eine Arbeitsunfähigkeit ist natürlich da ein ganz relevanter Faktor. Alissa Stein: [9:25:9:34] Absolut. Sandra, gab es bei Dir auch mal so einen Moment, in dem Du das Gefühl hattest, jetzt beeinflusst Deine Neurodermitis Deine Leistungsfähigkeit oder sogar auch Deine Konzentration im Job?

Sandra Hoffmann [9: Also wie es schon am Anfang gesagt worden ist, wenn der Schlaf nicht ausreichend gewährleistet ist, dann ist jeder Mensch irgendwann erschöpft und müde, und im Kindergarten geht es ja auch nicht wirklich entspannt zu. Wir haben Dauerstress, wir haben die Lärmbelastung. Das Problem ist halt, wenn man Schmerzen hat an den Händen, bei mir reißen die Hände dann richtig auf, es gibt auch Bläschen und dieser Juckreiz, das ist über Nacht natürlich, wenn man zur Ruhe kommt, vor dem Einschlafen ist es halt bewusster für mich, ich nehme das bewusster wahr, am Tag nicht so, aber ich kratze automatisch, was natürlich den Gesamtzustand meiner Haut dann auch verschlechtert und nicht verbessert, aber es ist halt einfach das tägliche Brot. Es geht halt nicht anders. Und krankschreiben geht natürlich immer, aber ich versuche es halt wirklich immer dann damit entgegenzuwirken, indem ich gewisse Cremes oder halt auch wirklich Tätigkeiten einer Kollegin abgebe. Ich habe ein super Team, wir können da gut miteinander reden und ich bin da auch offen mit umgegangen von Anfang an. Und natürlich bin ich manchmal müde, weil ich dann einfach schlechte Nächte hatte, nicht gut schlafen konnte oder viel zu wenig schlafen konnte, das auf jeden Fall. Man ist dann auch gereizt, ich habe dann auch nicht die Konzentration, die Aufmerksamkeit, jeder will irgendwie was von mir, das nervt mich dann an solchen Tagen, ganz klar, kann ich nicht abstreiten.

Alissa Stein: Ja, das glaube ich, aber ich glaube, wir können an dieser Stelle schon mal festhalten, so das Thema Kommunikation gegenüber dem Arzt, der Ärztin bzw. Kolleginnen und Kollegen ist schon mal ganz wichtig. Wie war das denn bei Dir, weil viele Betroffene, die stehen vielleicht auch irgendwann mal vor der Frage, ob die Erkrankung jetzt ihre beruflichen Entscheidungen beeinflusst, zum Beispiel generell bei der Wahl eines Jobs oder auch dann später bei den Karriereschritten. Wie war das denn bei Dir? Hat sich Deine Erkrankung im Laufe Deiner Ausbildung oder Deiner Karriere auf Deine beruflichen Entscheidungen auch ausgewirkt? Also gab es da vielleicht mal den Moment, wo Du gesagt hast, ich kann diesen Job gar nicht machen?

Sandra Hoffmann: Ja, also ich hatte schon auch die Idee oder hatte mich dafür interessiert, als jüngeres Mädchen, Haare zu frisieren, Haare zu, was weiß ich, zu flechten, halt viel mit Haaren zu spielen, damals noch als jüngeres Kind, aber aufgrund der ganzen Chemikalien, die in diesem Beruf nötig sind und mit denen man wirklich Tag für Tag ohne Handschuhe Kontakt hat, war das für mich gar keine Option. Das war halt für mich gar nicht möglich, also mit Desinfektionsmitteln oder mit Chemikalien, das ging nicht. Das war per se nicht möglich für mich. Das ist halt die Einschränkung in diesem Beruf. Das konnte ich halt nicht machen. Ansonsten, als Erzieherin habe ich Lösungen gefunden. Wie gesagt, natürlich ist es halt auch schwierig. Ich versuche es dann auch abzugeben oft, aber das ist schon in meinen Augen, das, was ich jetzt ausübe, den Beruf, ist auf jeden Fall möglich, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Da guckt mir auch keiner auf die Finger wie ein Bankberater, die Kinder, die sind da recht sorgenfrei und die Eltern kennen mich auch, also da habe ich jetzt auch nicht diese Probleme, wie andere Berufe vielleicht dann die Probleme haben. Also das ist bei mir, also Erzieherin, denke ich, ist ein Beruf, den kann man halt schon erwerben und erlernen und auch ausführen.

Alissa Stein: Das ist schön zu hören. Ja, und wenn Ihr noch mehr Tipps und Hilfestellungen rund um die Vereinbarkeit von Karriere und Neurodermitis sucht, findet Ihr auf der Unterseite Karriere und Beruf mit Neurodermitis auf unserer Webseite noch weitere wertvolle Informationen. Sandra, welche Situationen hast Du erlebt, in denen Du wegen der Neurodermitis beruflich zurückstecken oder Deine Prioritäten neu setzen musstest?

Sandra Hoffmann: Also, wie gesagt, Prioritäten neu setzen. Also Erzieherin konnte ich natürlich lernen, aber Friseurin war für mich halt nicht möglich. Es gab ein paar Sachen, wie zum Beispiel war ich bei der Unfallkasse, habe eine Schulung gemacht für meine Haut. Die Unfallkasse Düsseldorf hat das auch zwei Tage lang, das Seminar, übernommen finanziell, ich wurde auch freigestellt vom Arbeitgeber. Es wurden durch eine Hautärztin, die bei der Unfallkasse arbeitet, wurden an mir Cremes und auch Handschuhe, Desinfektionsmittel ausprobiert. Ich habe eine Liste bekommen, wo der Arbeitgeber angehalten worden ist, in meinem Fall, im öffentlichen Dienst, die Stadt Düsseldorf, mir diese Sachen auch bereitzustellen. Und dann habe ich noch bei dem Seminar gesagt, ja, ich bin bei der Stadt, das ist kein Problem, das machen die, und das ist jetzt, glaube ich, sechs Jahre her und ich habe wider Erwarten nichts von der Stadt bekommen, ich muss mir alles selber kaufen. Und die Stadt hat dann lieber gesagt, dass ich halt keine Kinder mehr wickeln soll, dass ich halt keinen Umgang mit Desinfektionsmitteln haben soll. Also die Sachen, die ich dann machen müsste, Kinder duschen etc., sollte ich dann an die Kollegen abgeben, was natürlich für mich auch richtig unangenehm war, weil die anderen Kollegen dann meine Arbeit mitmachen mussten. Das ging auch bis zur Leitung. Wenn kein anderer da war, dann sollte auch die Leitung die Sachen übernehmen. Also ich habe auch gesagt, es tut mir leid, es liegt nicht an mir, und trotzdem hatte ich ein komisches Bauchgefühl und das tat mir halt auch emotional nicht gut, die Sachen dann nicht machen zu dürfen, nur weil die Stadt nicht die Sachen zur Verfügung stellen möchte, weil es ja Kosten sind. Zwar geringe Kosten, aber ich glaube, es ist besser, eine Kollegin ist da und arbeitet, anstatt dass sie dann fehlt aufgrund der Krankheit. Aber gut, ja, das war für mich dann halt nicht so ideal. Aber die Kollegen, die ich habe, die sind gut, die haben es mitgetragen. Im Endeffekt habe ich jetzt die Sachen mir selber gekauft, damit ich die Sachen auch, die Tätigkeiten, was auf Arbeit gemacht werden muss, ausüben kann, aber so ganz in Ordnung, muss ich sagen, fand ich das nicht. Es ist aber so und ich konnte die Situation halt nicht anders, ich konnte es halt nicht ändern, sind Vorgaben gewesen.

Alissa Stein: Alissa Stein: [ Ah echt, das ist ja krass und das ist ja vor allem auch manchmal so im Alltag, denke ich, super schwierig, das dann auch so umzusetzen. Max, ich würde gerne mal den Blick ein bisschen weiten. Welche Tipps gibt es für Betroffene, die das Gefühl haben, ihre Erkrankung bremst sie beruflich aus und die auch hier Unterstützung suchen?

Dr. Max Tischler: Ja, das ist natürlich, was wir gerade von Sandra gehört haben, tatsächlich nicht so, wie es laufen soll, denn grundsätzlich gibt es natürlich schon Dinge, die Betroffene machen können, um eben zügig auch im beruflichen Kontext Hilfe zu erhalten. Grundsätzlich kann man selber Dinge machen, also bewusst auf Erholungszeiten achten, gern das auch mit dem Arbeitgeber eben besprechen. Zu schauen, gibt es vielleicht im Job einen individuellen Stressauslöser, etwas, was die Neurodermitis dann im Job im genauen Kontext schlimmer macht und hier dann auch zu schauen, wie kann ich die Haut im stressigen Alltag besser schützen. Also da muss man sich ganz klar natürlich auch überlegen, wann habe ich denn Zeit zum Beispiel für eine Lokaltherapie, wenn ich am PC arbeite und mit fettigen Fingern eben nicht so gut tippen kann oder das schwierig möglich ist, dann muss ich natürlich schauen, kann ich das über Handschuhe machen, kann ich eben eine Pause so legen, dass ich halt immer mal wieder eincremen kann. Ich finde es immer total wichtig, dass die Patienten auch eine, ja, in Anführungszeichen eine Tube-Extra-Basis-Therapie am Arbeitsplatz haben, dass eben Betroffene wissen, sich das mit auf die Arbeit mitzunehmen, auch vielleicht mal eine Notfallcreme mit dabei zu haben, all das sind Möglichkeiten, wie man eben im Alltag es vielleicht dann hinbekommt, das Ganze so ein bisschen besser zu schaffen, und ansonsten gilt natürlich immer, man muss das einmal mit dem behandelnden Dermatologen oder der Dermatologin besprechen. Das, was Sandra gemacht hat, das, was Sandra berichtet hat, ist nämlich genau das Richtige. Wir haben ja nicht nur Möglichkeiten grundsätzlich mal der Therapie der Neurodermitis, sondern wir haben auch Möglichkeiten, wenn das im Arbeitskontext sich verschlechtert, hier einen Fall der Berufsgenossenschaft zu melden, die sich dann eben unterstützend auch nochmal zusätzlich neben der Krankenkasse kümmert, aber da spielt natürlich auch der Arbeitgeber eine Rolle und wir können leider auch als Ärzte dem Arbeitgeber das nicht per se vorschreiben, aber natürlich Empfehlungen geben, und ich kenne ganz, ganz viele Arbeitgeber, wo das besser funktioniert, und dementsprechend ruhig das beim Dermatologen, bei der Dermatologin ansprechen und genauso eben auch mal fragen, was gibt es denn noch für Behandlungsalternativen, die eben dann auch für eine Verbesserung der Haut sorgen, weil es eben mittlerweile ja schon gezielte Behandlungen gibt, die eben auch bei der zugrunde liegenden Entzündung ansetzen und das sich wiederum dann auch positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirken kann, wenn eben nachts nicht durchgeschlafen, vernünftig durchgeschlafen werden kann, wenn eben nicht zusätzliche Pausen gemacht werden müssen, weil die Haut halt deutlich besser ist und somit auch möglicherweise Fehltage vermieden werden können, was natürlich einem Arbeitgeber auch wieder wahnsinnig hilft, gerade wenn es kleinere Arbeitgeber sind. So eine Stadtverwaltung, die ist ja manchmal ein bisschen langsamer, da ist das natürlich herausfordernd. Das kann ich total verstehen.

Alissa Stein: Ja, danke schön für Deine Tipps, Max. Und ein wichtiger Punkt, über den wir auch sprechen müssen, ist ja der Umgang mit Stress, weil Stress kann ja häufig ein Trigger für die Neurodermitis bei Betroffenen sein. Sandra, wie gehst Du persönlich mit stressigen Phasen im Job um, vor allem dann, wenn Du merkst, dass sich auch Deine Haut gerade verschlechtert?

Sandra Hoffmann: Absolut. Also wenn wir Personalmangel haben, viele Kinder, viele anstrengende Kinder, zehn Kinder sind nicht gleich zehn Kinder, es kommt auf die Kinder drauf an, wie stressig das ist, aber wenn wirklich viel Personal fehlt und wir viele Inklusionskinder an dem Tag haben oder mehrere Tage, dann merke ich das so extrem, dass ich wirklich am Limit bin. Also dieser Stress auf der Arbeit, gerade mit Menschen zu arbeiten, da ist nicht jeder Tag planbar, da ist jeder Tag neu, und ja, es ist halt wirklich schwierig, dann zur Ruhe zu kommen. Also die Pausen, klar, die haben wir, die habe ich auch, aber selbst in der Pause habe ich oft das Problem, für die halbe Stunde abzuschalten. Dann kommt der Nächste rein, dann fragt der was, die und die Mutter ist da. Also das ist von der Pause her an sich an stressigen Tagen auch nicht wirklich eine Erholung, leider, für mich.

Alissa Stein: Ja, das kann ich mir vorstellen. Wie offen gehst Du mit Deiner Neurodermitis um? Also zum Beispiel jetzt auch gerade, Du hast es ja schon angesprochen mit den Kolleginnen und Kollegen, da gehst Du ja offen in die Kommunikation. Sprichst du das bei Eltern auch an? Und ja, was würdest Du sagen, was hat Dir auch geholfen, den für Dich richtigen Umgang damit zu finden, mit der Kommunikation?

Sandra Hoffmann: Also das ist wirklich so, wenn man an den Händen teilweise dann rissige Hände hat und aufgekratzte Stellen, teilweise auch blutige Stellen, dann sehen das ja auch die Eltern, und ich persönlich gehe da offen mit um, weil es ist halt einfach wichtig für die anderen, für die Mitmenschen, dass, es ist auch schon gefragt worden, ist das ansteckend? Nein, es ist halt nicht ansteckend. Das ist eine Hautreaktion, das ist eine chronische Hautkrankheit, die kann ich auch nicht wirklich, ja, bisschen beeinflussen schon, aber sie kommt halt, wenn sie kommt, die Schübe, dann sind sie halt da. Es ist nicht ansteckend, es ist halt sehr pflegebedürftig und ich bin da wirklich offen mit, weil, warum soll ich das verheimlichen? Ich habe es mir nicht ausgesucht, es ist halt einfach so und der Umgang und da schäme ich mich auch nicht für. Ich bin da ganz transparent und sage einfach, wie es ist.

Alissa Stein: Vielen, vielen Dank fürs Teilen und vor allem fürs Mut machen, dass andere das genauso handhaben können. Ja, und wer neugierig ist und noch weitere Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen lesen möchte, kann gerne in unserer Beitragsreihe von allen Bloggerinnen und Bloggern rund um Karriere und Beruf mit Neurodermitis auf dem Blog vorbeischauen. Sandra, wenn Du an Dein aktuelles oder früheres Arbeitsumfeld denkst, gibt es etwas, das Du Dir von Deinem Arbeitsumfeld wünschen würdest, damit der Umgang mit der Neurodermitis leichter fällt?

Sandra Hoffmann: Ja, mehr Personal wäre super. Also, dass wir halt alle ein bisschen entspannter den Umgang mit den Kindern haben können und nicht immer so einen Stress. Also, es ist halt wirklich auch ein stressiger Beruf.

Alissa Stein: Ich glaube, mit diesem Appell, da stößt Du auf ganz viele offene Ohren. Was würdest Du anderen Betroffenen raten, die das Gefühl haben, ihre Neurodermitis hält sie jetzt beruflich zurück oder schränkt sie gar ein?

Sandra Hoffmann: Also ich würde auf jeden Fall den Arzt aufsuchen, den Facharzt, wie der Kollege schon gesagt hatte, der Hautarzt. Ich gehe immer zum Facharzt. Ich gehe nicht zum Hausarzt, weil ich finde, der Hausarzt kennt meine Haut nicht wirklich. Der kennt halt mehr meinen anderen, den Rest vom Körper. Ich würde immer zum Facharzt gehen, und meine Hautärztin, die kennt mich schon viele, viele Jahre. Ich war auch schon oft in Reha. Danach ist es wirklich immer bei mir anderthalb Jahre viel, viel besser. Macht es transparent. Erkundigt Euch. Wie gesagt, also im Internet ist es auch möglich oder halt auch mit Freunden sprechen. Jeder muss da so seinen eigenen Weg finden. Jede Haut reagiert anders, jeder Mensch ist anders, jedes Produkt wirkt anders bei jedem Menschen. Man muss halt wirklich viel ausprobieren und gucken, was tut mir gut, wo kann ich entspannen, wo kann ich ein bisschen mich erholen. Das ist ganz, ganz wichtig. Wie kann ich dieses ständige Kratzen vermeiden oder versuchen zu reduzieren. Das ist auch so eine psychologische Sache. Die Einstellung und der Haut viel Gutes tun. Also nicht sauer auf die Haut sein, wenn es halt sich verschlechtert, das Hautbild. Ich finde eher, man sollte wie so ein kleines Baby die Haut dann natürlich viel, viel lieber haben und viel mehr pflegen, weil, das ist das größte Organ, das wir haben und wir brauchen es halt einfach, und dann muss man da einfach versuchen, irgendeinen Weg zu finden, auch für sich, auch für die, nicht nur für die Arbeit, auch für die Freizeit, auch für die Familie, für das, was mir selber auch wichtig ist. Also ich liebe meinen Beruf, deswegen ist der mir auch wichtig, aber auch meine Familie und für mich selber ist es wichtig, dass es mir gut geht.

Alissa Stein: Total. Danke für Deine sehr wertvollen Ratschläge, liebe Sandra. Wenn Ihr vom Thema Karriere und Beruf mit Neurodermitis noch nicht genug habt, dann hört auch gerne in die zehnte Folge unseres Podcasts zum Thema Karriere und Beruf mit Neurodermitis „Hau(p)tsache Erfolg – Traumberuf trotz Neurodermitis“ rein. Wir hatten ja am Anfang schon mal darauf verwiesen. Ja, liebe Sandra, lieber Max, Ihr habt uns heute wichtige Einblicke in das Berufsleben mit Neurodermitis gegeben. Was möchtet Ihr unseren Zuhörerinnen und Zuhörern noch als wichtige Botschaft mit auf den Weg geben? Liebe Sandra, bitte startet einmal.

Sandra Hoffmann: Ich möchte auf jeden Fall Mut machen, appellieren, sich in Ruhe damit auseinanderzusetzen, sich weniger zu stressen im Beruf, im Alltag generell entspannter Sachen anzugehen. Es gibt auch gute Musik, die so ein bisschen beruhigt, so Einschlafmusik, Meditation, Yoga, habe ich alles ausprobiert. Das eine hat mehr funktioniert, das andere hat weniger funktioniert. Sich selber mit der Krankheit auseinandersetzen, nicht aufgeben. Und das sind ja auch Phasen, es ist halt nicht durchgängig, mit der Haut, und es wird auch besser. Man muss sich so an den guten Zeiten orientieren und dass man einfach nicht aufgibt, sich selber zu helfen und Ratschläge zu suchen. Und ich finde, Transparenz ist auch immer gegenüber meinem Umfeld, beruflich, privat sowieso, das ist halt auch eine Einstellungssache. Ich persönlich fahre damit halt sehr gut und kann es eigentlich nur empfehlen.

Alissa Stein: Dankeschön. Und Max, was hast Du noch abschließend für Tipps?

Dr. Max Tischler: Gerade jetzt in der Winterzeit ist es natürlich häufig, dass Schübe auftreten, daher der Anreiz, nicht aufzugeben, der Appell, wirklich mit dem Facharzt oder mit seiner Fachärztin, Dermatologin oder Dermatologin Kontakt aufzunehmen. Sprecht es wirklich an, dass was nicht gut läuft, nicht einfach nur die Creme immer wieder mitnehmen, die man sonst vielleicht immer kriegt, wo man selber weiß, ach, so richtig toll ist es nicht, aber es gibt ja nichts Neues, sondern durchaus mal fragen, was gibt es denn Neues? Mal ansprechen, wie es läuft mit der Therapie, und vielleicht auch ansprechen, wie es im Kontext des Berufes ist. Also was macht es schlimmer, was macht es weniger schlimm, da sind für uns so manche Art Schlagworte, wo wir Ärztinnen und Ärzte durchaus was mit anfangen können und dementsprechend dann auch Euch helfen können. Und wenn es mal ganz schnell gehen muss, gibt es natürlich wirklich auch eine Notfallüberweisung vom Hausarzt, wenn man noch keinen Dermatologen oder Dermatologin hat, oder alternativ eben auch darüber mal einen Wechsel anzustreben, wenn man sich da nicht gut betreut fühlt. All das sind Möglichkeiten, all das sind möglicherweise Unterstützungsthemen, die man nutzen kann. Und ich kann natürlich nur jedem wünschen, dass es gerade jetzt in der Winterzeit einem es dann irgendwann auch wieder etwas besser mit der Neurodermitis geht. Deswegen Dermatologen ansprechen und ein Blick nach vorne..

Alissa Stein: Vielen lieben Dank Euch beiden für diese vielseitigen Tipps. Ja, und das war unsere Folge zum Thema Neurodermitis im Berufsalltag. Ein großes Dankeschön an Dich, liebe Sandra, für Deine Offenheit, und auch an Dich, Max, natürlich für Deine fachlichen Einordnungen. Ich hoffe, wir konnten Euch zu Hause Mut machen, neue Perspektiven mitgeben und zeigen, dass Ihr mit Euren Herausforderungen nicht allein seid. Ja, also Dankeschön, Sandra, Dankeschön, Max. Ja, bevor wir uns jetzt gleich verabschieden, noch ein besonderes Wort. Dies ist nämlich vorerst die letzte Episode unseres Podcasts. Lass uns daher noch einen kurzen Blick zurückwerfen. In den vergangenen Episoden, da haben wir gemeinsam so viele Facetten rund um das Leben mit Neurodermitis beleuchtet. Vom Alltag über Ernährung und Stressbewältigung bis hin zu emotionalen Themen wie Selbstakzeptanz und mentale Gesundheit. Wir hatten die Freude, mit großartigen Gästen zu sprechen, Betroffene, die ihre persönlichen Geschichten geteilt haben, Ärztinnen und Ärzte, Expertinnen und Experten und Menschen, die mit ihrem Engagement echte Hoffnung geben. Jede einzelne Folge hat uns gezeigt, wie vielfältig, wie individuell und gleichzeitig wie verbindend das Thema Neurodermitis ist. Wenn Ihr Euch weiter über Neurodermitis informieren oder Euch mit anderen Betroffenen austauschen möchtet, dann geht das aber natürlich weiterhin. Schaut gerne auf unserer Webseite Leben-mit-Neurodermitis.info vorbei oder folgt uns auf Instagram unter Leben_mit_Neurodermitis.info. Und wenn ihr noch Fragen rund um das Leben mit Neurodermitis habt, dann schreibt uns gerne eine Direktnachricht über Instagram. Wir freuen uns über Eure Nachrichten. Und auch, wenn Euch diese Podcast-Folge gefallen hat, dann unterstützt uns gerne weiterhin mit einer 5-Sterne-Bewertung. Das geht bei Spotify auch ganz einfach. Klickt dazu links oben bei unserer Show auf die Sterne. Ja, an dieser Stelle möchten wir Danke sagen von Herzen. Danke für Eure Treue, für Eure Gedanken und Eure Geschichten und natürlich das Vertrauen, dass Ihr uns über all die Folgen hinweg entgegengebracht habt. Dieser Podcast, der durfte wachsen, weil Ihr dabei wart. Ihr habt zugehört, Ihr habt mitgefühlt, Ihr habt mitdiskutiert. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal beim „Leben mit Neurodermitis – Der Hautnah-Podcast“. Und Max, jetzt übergebe ich auch nochmal an Dich.

Dr. Max Tischler: Ja, auch ich möchte mich ganz herzlich von Euch verabschieden. Ganz herzlichen Dank für das Zuhören und ich kann auch nur nochmal bestätigen, nutzt die Infos, die Ihr auf der Homepage, die Ihr bei Instagram habt. Das ist wirklich ein riesiges Potpourri, was Euch hilft, mit Eurer Erkrankung besser klarzukommen, Eure Arztgespräche, aus meiner Perspektive auf jeden Fall, besser vorzubereiten, und so die richtige Hilfe für Eure Erkrankung zu bekommen. Von daher vielen, vielen Dank und ich wünsche Euch allen alles Gute und kommt gut mit Eurer Erkrankung in die Zukunft.

Alissa Stein: Also lasst Euch nicht entmutigen, geht weiter in die Kommunikation. Wir wünschen Euch alles erdenklich Gute. Vielen lieben Dank.

Alissa Stein: Die Folge wurde präsentiert von Sanofi und Regeneron.

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